Page 30 - KABINETT-2020-01
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Gesellschaft
                                               Eine Hommage an Kunst und Nostalgie



                                                                            von Nicola Pfitzenreuter






























            Endlich ist es wieder so weit: Nach
            drei Jahren Corona-Zwangspause
            nehmen  Bernhard  Paul  und  seine
            Artisten uns wieder mit auf eine
            fantastische Reise: Eine Reise zum
            Staunen, Lachen und Träumen. Die-     v.l. Gensi, Weißclown, Paolo Carillon, Quincy Azzario, Foto © KABINETT
            ses Mal entführt er uns in seine ganz   Alle Ihre  Shows haben  Sie immer
            eigene Welt – die Welt der Kunst.      unter das Motto „Reise zum Regen-

            Herr Paul, das  Thema Kunst  zieht     bogen“ gestellt. Was haben Sie auf
            sich wie ein roter Faden durch Ihre    dieser Reise alles erlebt?            Es ist sogar mein zehntes Buch! Ich
            diesjährige Show. Was hat Sie dazu     Ich habe in den Jahren vieles gese-   gebe darin einen tiefen Einblick in
            inspiriert?                            hen – und noch mehr erlebt! Vor allem   mein Leben, das Wien der 70er Jahre,
            „Inspiriert hat mich dazu `All for Art   erinnere ich mich an eine Menge Bü-  der Zirkus-Gründung und den Höhen
            for All` mein Leben, mein eigener Be-  rokratie in den diversen Städten! Frü-  und Tiefen des Zirkuslebens.
            ruf. Ich habe Kunst studiert. Es hat   her mussten wir zum Beispiel gucken,
            mich immer fasziniert, wie viele Men-  wo wir unsere Post abholen konnten.   Ein  Zirkus, der Jahrhunderte für
            schen etwas machen, was man im Zir-    Außerdem brauchten wir einen extra    Jung und Alt verbindet. Nostalgie
            kus umsetzen kann. Toulouse-Lautrec    Wagen für die 3.000 Tagestickets. Das   pur!
            hat zum Beispiel Zirkus-Bilder gemalt.   war alles ein ungeheuer großer Auf-  www.roncalli.de
            Oder nehmen Sie das Bauhaus-Ballett,   wand und viel Organisation. Da freue
            das sind alles Zirkus-Kostüme. Kunst   ich mich heute über jedes Online-Ti-
            und Zirkus passen zusammen, als wä-    cket und jede E-Mail!
            ren sie füreinander gemacht!“
                                                   Welche Momente sind Ihnen beson-
            Gibt es für den  Zuschauer noch        ders in Erinnerung geblieben?
            mehr Kunst-Elemente als die wun-       Ich denke vor allem gerne an die vie-
            derbaren Kostüme?                      len außergewöhnliche  Menschen  zu-
            „Die moderne Technik ist ebenfalls     rück, die ich kennengelernt habe. Eine
            eine Kunstform. In der Show setzen     großartige Erinnerung ist der Gastauf-
            wir Holografie ein und präsentieren    tritt  von  Heinz  Rühmann  1984,  den
            beispielsweise dreidimensionale Pferde   ich sehr verehre. Aber auch Sting, der
            und Elefanten. Wir zeigen den Men-     Seiltanz lernen wollte, war großartig!
            schen die großen Dickhäuter – aber
            ohne, dass die Tiere dafür extra gefan-  Nun ist Ihre Autobiografie „Meine
            gen werden müssen! Manchmal ist die    Reise  zum Regenbogen“ erschie-
            Illusion viel schöner als die Realität.“   nen. Worum geht es darin?      Bernhard Paul, Direktor Roncalli,
                                                                                      Elke Dagmar Schneider, Chefredakteurin KABINETT, Foto © KABINETT
                                                                                             Hintergrundbild © stock.adobe.com/Agata Kadar
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